An der Roßstraße setzt die Herz-Jesu-Kirche einen deutlichen Akzent zwischen den Häusern. Ihr neugotischer Bau entstand zwischen 1905 und 1907, als Derendorf längst Teil der wachsenden Großstadt war. Die Kirche gehört zu den Orientierungspunkten eines Viertels, dessen Straßen über viele Veränderungen hinweg erhalten geblieben sind. Während frühere Betriebsgelände inzwischen andere Aufgaben übernehmen, bleibt hier ein älteres Straßenbild ablesbar. Zwischen solchen gewachsenen Orten und neuen Nutzungen entfaltet sich das heutige Derendorf.

Der Weg dorthin begann in einer ganz anderen Umgebung. Noch um 1800 wurde auf großen Teilen des Gebiets Landwirtschaft betrieben; Höfe prägten das Bild, bevor Industrie und Eisenbahn im 19. Jahrhundert neue Räume beanspruchten. Düsseldorf wuchs über seine früheren Befestigungen hinaus. Mit Werkstätten, Betrieben und Verkehrsflächen entstanden auch Häuser und Gebäude für das gemeinschaftliche und religiöse Leben. So entwickelte sich ein Stadtteil, in dem Wohnen, Arbeit und Versorgung eng nebeneinander ihren Platz fanden.

Wie sich diese Nachbarschaft weiterverändert, zeigt der Campus der Hochschule Düsseldorf an der Münsterstraße. Hier wurde noch bis 2002 der städtische Schlachthof betrieben. Die ehemalige Großviehhalle und die Pferdeschlachthalle, beide seit 1999 denkmalgeschützt, blieben erhalten, während neue Hochschulgebäude hinzukamen. Heute beherbergt die Großviehhalle die Bibliothek und die Campus IT. Zwischen alten Hallen und Neubauten ist aus einem Ort der städtischen Versorgung ein Ort des Studiums geworden, an dem die frühere Bebauung weiterverwendet wird.

Zum Gelände gehört auch eine belastende Geschichte: Zwischen 1941 und 1944 nutzten die Nationalsozialisten den Schlachthof als Sammelstelle für die Deportation jüdischer Menschen aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf. Vom nahen Güterbahnhof wurden sie in Ghettos im besetzten Osteuropa verschleppt. Der 2016 eröffnete Erinnerungsort Alter Schlachthof dokumentiert diese Verbrechen und die Lebensgeschichten der Verfolgten; ein digitales Archiv erschließt dazu biografische Recherchen, Dokumente und Fotografien.

Der Campus ist damit ein wichtiger Ausschnitt Derendorfs, während die gewachsenen Straßen den größeren Zusammenhang bilden. An der Roßstraße steht die Kirche zwischen den Häusern, an der Münsterstraße treffen erhaltene Betriebsbauten auf neue Hochschularchitektur. Dazwischen lässt sich der Stadtteil auch ohne Jahreszahlen lesen: an Gebäuden, die ihren Zweck behalten haben, und an anderen, hinter deren alten Mauern heute ein neuer Alltag stattfindet.

Quellen und Datenstand

Stand und Abruf: 2026-10-17. Grundlagen: Stadt Düsseldorf: Derendorf, Hochschule Düsseldorf: Eröffnung des Erinnerungsortes, Hochschule Düsseldorf: Alter Schlachthof und Herz-Jesu-Kirche: Baugeschichte.