Friedrichstadt lässt sich auf einem Stadtplan leicht wiedererkennen. Viele Straßen kreuzen sich im rechten Winkel, als hätte jemand die Düsseldorfer Innenstadt an dieser Stelle mit einem Lineal weitergezeichnet. Tatsächlich gehört das regelmäßige Netz zur Stadterweiterung von 1854. Was als Ordnung auf dem Papier begann, bildet heute den Rahmen für ein dicht bebautes Viertel südlich der City. Interessant wird es dort, wo dieser Rahmen Platz lässt: für einen größeren öffentlichen Raum, für ein weithin erkennbares Gebäude oder für Geschichten, die dem geraden Grundriss nicht anzusehen sind.

Der Fürstenplatz ist ein solcher Raum. Zwischen den Häusern liegen Spielmöglichkeiten, ein Bolzplatz und eine Tischtennisplatte; ein öffentlicher Bücherschrank ergänzt die alltäglichen Nutzungen. Das wirkt weniger wie eine klassische Sehenswürdigkeit als wie ein Stück Stadt, das unterschiedliche Beschäftigungen nebeneinander zulässt. Während eine geradlinige Straße vor allem weiterführt, gibt der Platz einen Grund, nicht sofort weiterzugehen. Bücher tauschen und Ball spielen gehören hier ebenso zum Bild wie die Häuser am Rand.

In der Nähe erhebt sich St. Antonius. Die Kirche entstand zwischen 1905 und 1909 nach Plänen von Wilhelm und Paul Sültenfuß, als das Bevölkerungswachstum eine weitere katholische Kirche erforderlich machte. Ihr neoromanischer Bau gehört also zur Geschichte eines Viertels, das längst über die ersten Linien der Planung hinausgewachsen war. Die große Kirche und der offene Platz setzen zwei deutlich verschiedene Akzente in den Häuserblöcken: Hier sammelt sich der Blick an einem Baukörper, dort verteilt sich das Geschehen über eine Fläche.

Ein gerader Plan, keine geradlinige Geschichte

Am Kirchturm wird sichtbar, dass der heutige Zustand nicht einfach die ursprüngliche Absicht fortsetzt. St. Antonius wurde im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört und anschließend wieder aufgebaut; der hohe spitze Turmhelm kehrte nicht zurück. Die veränderte Silhouette lässt damit zwei Zeiten gleichzeitig erkennen. Das Gebäude erzählt vom Wachstum der Stadt vor dem Krieg und von den Entscheidungen des Wiederaufbaus, ohne dass dafür die gesamte Straße ihr Aussehen wechseln müsste.

Die frühere Nutzungsgeschichte lässt sich ebenso wenig aus dem Schachbrettmuster ableiten. Friedrichstadt war im 19. Jahrhundert eine Adresse höherer Beamter und erhielt deshalb den Beinamen Tintenviertel. Das klingt nach Akten und Amtstuben, erzählt aber nur einen Teil der Geschichte. Gleichzeitig gehörten Vergnügen und Theater zum Viertel; das 1899 eröffnete Apollo war eine seiner Bühnen. Zwischen der geordneten Zeichnung im Stadtplan und dem, was sich in den Straßen abspielte, blieb also reichlich Spielraum. Dass dieselbe Friedrichstadt Beamtenwohnungen und Varieté kannte, ist dabei keine kuriose Ausnahme. Es erinnert daran, wie wenig sich vom rechten Winkel einer Kreuzung auf das Leben dahinter schließen lässt.

Quellen und Datenstand

Stand und Abruf: 2026-10-17. Grundlagen: städtische Bezirksgeschichte, Kirchengeschichte von St. Antonius, Fürstenplatz im Kulturportal und die offizielle Ortsseite zum Fürstenplatz.