Flingern-Nord lässt sich gut an seinen Schaufenstern kennenlernen. Rund um die Ackerstraße stehen Bilder, Kleidung und gestaltete Alltagsgegenstände nebeneinander; ein Galeriebesuch und eine gewöhnliche Besorgung gehören hier zur selben Straßenlandschaft. Anders als an einer großen Einkaufsachse führt der Weg dabei immer wieder an Wohnhäusern und in benachbarte Straßen vorbei. Der Stadtteil liegt östlich der Düsseldorfer Innenstadt, doch sein interessantester Maßstab ist nicht die Entfernung zum Zentrum. Es ist die Nähe zwischen Kunst, Handel und dem Alltag eines dicht bebauten Viertels.

Diese Nähe hat eine Vorgeschichte, die über den heutigen Ruf als Einkaufs- und Kulturadresse hinausreicht. Bevor aus Flingern während der Industrialisierung ein Arbeiter- und Handwerkerviertel wurde, prägten Wald und Landwirtschaft die Gegend. An der Bruchstraße sind noch Reste des Kürtenhofs erhalten, die an diese ältere Hoflandschaft erinnern. Auch als in seiner Umgebung Ziegeleien entstanden, blieb der Hof bestehen. Zwischen heutigen Straßen liegt damit ein greifbarer Rest einer Zeit, in der Flingern noch nicht dicht an dicht bebaut war. Das Viertel erschließt sich nicht nur über neue Ausstellungen, sondern auch über solche älteren Spuren.

Kunst auf Straßenniveau

An der Ackerstraße richtet sich der Blick wieder auf die Gegenwart. Die Galerie VAN HORN arbeitet mit zeitgenössischer Kunst und verbindet internationale Positionen mit einem Schwerpunkt auf dem Rheinland. Ein Schaufenster kann hier also zu einer Ausstellung führen, die weit über den unmittelbaren Straßenraum hinausweist. Auf dem Weg dorthin bleiben Cafés und Geschäfte Teil derselben Straße; Ausstellungsbesuch und Stadtalltag liegen nah beieinander.

In der Nähe des Hermannplatzes verschiebt sich der Blick von der Ausstellung zum Gegenstand, den man mitnehmen könnte. Bei rikiki gehören Grafik, Siebdruck und Designobjekte zusammen. Gestaltung taucht damit nicht nur an der Wand auf, sondern auch auf Papier und in Dingen für den Gebrauch. Während die Galerie zur Auseinandersetzung mit einer künstlerischen Position einlädt, führt der Laden zu Fragen nach Material, Druck und Form. Beides lässt sich innerhalb weniger Straßen erkunden.

Von diesen besonderen Angeboten führt die Birkenstraße zurück zur Versorgung des täglichen Lebens. Neben dem Interesse an einem einzelnen Bild oder Objekt stehen hier die gewöhnlichen Besorgungen einer Nachbarschaft. Ackerstraße, Hermannplatz und Birkenstraße ergeben deshalb einen aufschlussreichen Zusammenhang: Wer zwischen ihnen unterwegs ist, wechselt nicht in ein anderes Viertel, sondern zwischen unterschiedlichen Gründen, in demselben Viertel vor die Tür zu gehen.

Dabei lohnt es sich, beim Ortsnamen genau zu bleiben. Flingern-Nord und Flingern-Süd sind zwei Stadtteile, die durch die Bahnstrecke Richtung Wuppertal getrennt werden. Das zakk an der Fichtenstraße liegt im Süden. Im Norden setzt sich die Entdeckung dagegen in den Straßen fort, in denen ein ausgestelltes Bild, ein gestaltetes Buch und der nächste Einkauf denselben Weg teilen.

Quellen und Datenstand

Stand und Abruf: 2026-10-17.